Im Webdesign gab es bis vor ein paar Jahren so etwas wie ein Gesetz: Mehr als die bestehenden 7 Systemschriften dürfen nicht verwendet werden. Das ist im Zuge der gestalterischen und technischen Emanzipation des Webs natürlich ein Missstand, der beseitigt werden will. CSS3 macht es vor: Über den Befehl @font-face lassen sich schnell und einfach dritte Schriften installieren und einsetzen. Leider bleiben Fragen zu Lizenzen und Browser-Kompatibilitäten offen.

Wer Ersteres beachtet und Letzteres nicht fürchtet (ich meine, jede zweite Woche machen Browser wie Firefox ein Update, um mit den Standards mitzuhalten), der kann allerhand großartige Dinge mit Schriften im Netz anstellen. Wir haben eine Hand voll Möglichkeiten zusammengetragen, die wir nutzen, um Schriften ins Web und auch auf Blogs zu bekommen.

FontSquirrel

Diese Website ist das Schweizer Taschenmesser für @font-face-Schriften und bietet gleich mehrere Möglichkeiten an, mit Schriften umzugehen. Auf der einen Seite ist es dem User möglich, eigene Schriften hochzuladen und mit CSS-Code und passenden Formaten ausgeben zu lassen. Praktisch, wenn der Kunde eine eigene Schrift mitbringt. Auf der anderen Seite lassen sich Schriften direkt von der Seite in allen passenden Formaten und Code herunterladen. IE-Hacks inklusive! Wer eigene Schriften hochlädt, darf aber die Lizenz-Bedenken nicht außer Acht lassen, da Schriften recht leicht vom Server geklaut werden könnten.

Google Fonts

…ist ein kleines Schätzchen an kostenlosen Schriften für das Web. Der Service ist durchdacht, bringt mehrere Möglichkeiten der @font-face-Integrationen mit (Javascript oder CSS) und hat eine Datenbank mit über 380 Schriftsätzen parat. Doch darf man sich von der Menge nicht täuschen lassen: Viele Schriften sind Browserübergreifend nicht konsistent und weisen häufig Probleme in älteren Browsern ohne Glättungen auf. Leider besitzen viele Schriften auch nie mehr als zwei verschiedene Schnitte (Bold, Kursiv etc), weswegen man sich gut informieren muss, ob die Schrift für Fließtexte geeignet ist. Alles in allem aber ein guter Durchschnitt aus Qualität und Quantität.

Prepaid-Fonts: myFonts und fontspring

Wer Qualität und Quantität in noch höherer Dosis sucht, wird bei Paid-Services durchaus fündig. Hervorragende Schriften sind hier reichlich vertreten und Typografie-Nerds fallen hier schnell vom Ikea-Stuhl, wenn sie die Top10 durchstöbern. Diese Service haben nur einen “Haken”: Sie finanzieren sich über Lizenzpläne. Haken wurde von mir bewusst mit Anführungszeichen versehen, denn Qualität hat durchaus seinen Preis und sollte auch seine Wertschätzung finden. (!!!) Services wie myFonts oder Fontspring regeln diese Lizenzpläne je nach Schrift und View-Anzahl der verwendeten Webseiten. So verändern sich die Preise, wenn man 10.000 oder 100.000 Views für die zu-verwendende Website einstellt. Hier kommen teilweise Preise von bis zu 160$ zusammen, doch diese 100.000 Views dürfen dann auf verschiedenen Websites genutzt werden, solange die gemeinsamen Views nicht die angewählte Grenze übersteigen.

Flatrate-Fonts: typekit

Typekit geht da einen etwas anderen Weg. Hier handelt es sich mehr um eine Schriften-Flatrate. Der Pricing-Liste entnimmt man, dass man für etwa 49$ jährlich den vollen Schriften-Zugang genießt und in der Summe 500.000 Views zur Verfügung hat. Am Ende wohl eine etwas verbindlicherere Methode, doch geht die Rechnung wohl eher aus, als für 100.000 Views bereits 100$ hingeblättert zu haben (myFonts, fontspring). Hier wird sich in den nächsten Jahren noch einiges tun, da sich die perfekte Methode noch nicht herauskristalisiert hat. Wir tendieren klar zu typekit, um perfekte Schriften einzubinden.

WordPress-Plugins

Wie es heutzutage für alles ein App gibt, so kursiert dieses Klischee auch bereits über WordPress-Plugins. Wer CSS noch etwas scheut, aber gerne einen Blick über den Tellerrand werfen will, der kann mit einer Hand von Plugins ein hübsches Blog zaubern. Doch Bedacht: Der Code von solchen Plugins ist nur selten als “perfekt” zu bezeichnen.

WP Google Fonts

Die wohl einfachste Methode, Fonts in ein WP-Blog einzubauen. Schriften über die Dropdown-Menüs auswählen und auf Headlines, Taglines etc. anwenden. Schon wird der Code für den Nutzer eingesetzt und auf die CSS-Klassen angewendet. Dies bietet zwar wenig Flexibilität aber einen guten Einstieg für Nicht-Coder.

WP Web Fonts

Ein weiterer Service, um kostenlose Schriften einzubinden. Jedoch konzentriert sich dieses Plugin nicht auf einen Service. Auch Services außerhalb von Googles Bibliothek können eingesetzt werden. Lediglich Javascript oder CSS müssen eingesetzt werden, um die Integration möglich zu machen. Wer einen Schriften-Service mit Plugin nutzen will, ist hiermit gut bedient.

Fontdeck

Fontdeck bietet passend zum eigenen Service ein Plugin an, um dem User einen schnellen Einstieg in die Welt des Font-Faces zu gewähren. Der Service bietet Schriften für ca. 7,50$ im Jahr an und bringt neben einem Plugin auch eine anständige Anzahl Schriften mit.

Typekit

Auch der oben-genannte Typekit besitzt ein eigenes Plugin zur einfachen Installation seiner Schriften. Ein einfacher und schneller Weg, den Service auf sein Blog zu bekommen.

Abschluss

Schriften im Netz machen einen Sprung und erfinden sich derzeit neu. Wer helfen möchte, das Web zu revolutionieren, installiert jetzt (ich meine jetzt, dieser Artikel hier kann warten!) hübsche und passende Schriften seiner Wahl auf seiner Website. Das Web ist soweit und auch die Browser sind auf dem besten Wege eine nahtlose Unterstützung zu liefern. Insofern es aber niemand einsetzt, werden wir noch lange auf Unterstützung von Firefox, Google und Microsoft warten. Also los, die Revolution wartet!